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Die SPD im Landkreis Heilbronn

Vom Schicksal des Judentums in Heilbronn Dr. Gerhard Schneider berichtete beim der SPD-AG 60 plus über jüdisches Leben

Arbeitsgemeinschaften

Ein Gedenkstein an der Allee erinnert heute daran, dass an dieser Stelle einst eine jüdische Synagoge stand - und überhaupt an jüdisches Leben in Heilbronn. Wie bedeutsam jüdische Mitbürger in Heilbronn bis vor etwa 80 Jahren waren, darüber berichtete Dr. Gerhard Schneider bei der Arbeitsgemeinschaft 60 plus des SPD-Kreisverbandes Heilbronn in der SPD-Regionalgeschäftsstelle Heilbronn.

Nach der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem durch die Römer 70 n. Chr. begann die Zerstreuung der Juden. Ihre glücklichste Zeit hatten sie wohl im frühen Mittelalter in Andalusien unter der maurischen Herrschaft, während sie im christlichen Europa seit den Kreuzzüge im 11. Jahrhundert immer wieder Verfolgungen ausgesetzt waren. Schneider stellte in einem historischen Überblick fest, dass in Heilbronn seit dem 15. Jahrhundert 350 Jahre lang ein Niederlassungsverbot für Juden galt und sie beim Durchzug Zoll zu entrichten hatten. Sei dem 18. Jahrhundert fanden Juden, die bis dato fast ausschließlich auf dem Land vertreten waren, allmählich Zugang in den Städten und gewannen zunehmend in der Kaufmannschaft an Einfluss.

Prägend für Heilbronn war 1877 Bau und Einweihung der Synagoge, ein monumentales orientalisch anmutendes jüdisches Gotteshaus mit Haupt- und vier Nebenkuppeln, Haupt- und zwei Seitenschiffen, nach byzantinischen, islamischen und maurischen Vorbildern. Auch diese Synagoge wurde im Zuge der Reichspogromnacht am Morgen des 10. November 1938 durch Brandstiftung vernichtet. Als 1988 in Israel Erinnerung an die Zerstörung durch die Pogrome vor 60 Jahre eine Sonderbriefmarke herausgegeben wurde, erhielt sie als Motiv die Heilbronner Synagoge als eines der eindrucksvollsten Bauwerke jüdischer Architekturgeschichte in Deutschland.

Wie Schneider unter Bezug auf die Dokumentation von Hans Frank "Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn" (1962) darlegte, sind von 855 Juden, die 1933 in Heilbronn und Sontheim gezählt wurden, 235 den Verfolgungen der Nazis zum Opfer gefallen (viele 1941/42 nach Transporten in die KZs in Riga und Theresienstadt) sowie 82 aus dem ehemaligen Landesasyl "Wilhelmshöhe" in Sontheim. Dabei hatten Juden, bis es ab 1930 zu massiver antijüdischer Hetze in Heilbronn kam, hier zumeist ein einvernehmliches Leben in der Bürgerschaft, 128 "deutsche Soldaten jüdischen Glaubens" waren sogar Kriegsteilnehmer im I. Weltkrieg (19 Gefallene).

Schneider erinnerte an Leben und Schicksal vieler jüdischer Persönlichkeiten in Heilbronn, angefangen von Isidor Veit, der als erster Jude in Heilbronn Bürgerrechte erhalten hatte. Stark waren Juden im Heilbronner Wirtschaftsleben integriert. Zu den Firmen mit jüdischen Wurzeln, die auch nach dem Kriege noch existierten, gehörte die "Hammer-Brennerei" Landauer & Macholl sowie die Schuhfabrik Wolko von Hermann Wolf in Sontheim. Einem jüdischen Bankier ist auch die Entstehung der Volksbank Heilbronn zu verdanken, denn das Vorgängerinstitut Heilbronner Bankverein (bis 1982) wurde im Dezember 1909 von Abraham Gumbel gegründet. Er hatte 1899 das von seinem Vater Isaak Gumbel (seine Eltern waren von Stein am Kocher nach Heilbronn gekommen) 1880 gegründete "Bank- und Wechselgeschäft am Markt" übernommen. Vater und Sohn waren auch politisch tätig, in der liberalen bzw. sozialdemokratischen Partei. Abraham Gumbels engster Mitarbeiter war Otto Igersheimer, der nach Gumbels Tod 1930 die Leitung der Bank übernahm, 1933 aus dem Vorstand entlassen wurde (wie Abrahams Gumbels jüngster Bruder Dr. Sigmund Gumbel aus dem Aufsichtsrat) und 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

Zu den Heilbronner Juden, die Schneider beispielhaft würdigte, gehörten unter anderem auch der Anwalt Max Rosengart, der insgesamt 30 Jahre Mitglied im Gemeinderat seiner Wahlheimat Heilbronn war und noch 1930 die Ehrenbürgerschaft (1933 aberkannt) erhielt; er starb 1943 im Stockholmer Exil; ferner die Professoren Dr. Rosenthal und Dr. Schwarzenberger.

Bei der Veranstaltung der SPD-Senioren zugegen war auch Avital Toren, die Sprecherin der jüdischen Gemeinschaft in Heilbronn, die auf Nachfragen Strömungen des Judentums (assimilierte, orthodoxe und zionistische Juden) erklärte, auf den Freundeskreis Synagoge Heilbronn hinwies und auf das Domizil an der Allee der jüdischen Gemeinschaft, von deren 180 Mitglieder über 80 Prozent Kontingentflüchtlinge (und Nachkommen) aus der ehemaligen Sowjetunion sind.
Helmut Sauter

 
 

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